Mittwoch, 11 Dezember 2019

slide fest

Rede zum Volkstrauertag 2019


Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

ich begrüße Sie zur heutigen Gedenkfeier, zum Tag des Innehaltens, der Einkehr und des Mitgefühls.
Ich danke für Ihren Besuch.
Vorab möchte ich mich bei dem Chörchen, dem Posaunenchor der Ev. Kirchengemeinde und dem Burschenverein Anhausen für die Mitgestaltung der heutigen Gedenkfeier recht herzlich bedanken.

Der Monat November ist traditionell dem Gedenken an die Toten gewidmet. Es gibt deshalb die stillen Feiertage ,,Aller Heiligen“, den ,,Totensonntag“ und den heutigen Volkstrauertag.
Am Volkstrauertag erinnern wir uns alljährlich an die Opfer von Krieg und Gewalt in der Vergangenheit, aber auch in der Gegenwart.
Unser Gedanken sind auch bei all denen, die fern ab der Heimat aber auch ihr in Deutschland für uns alle ihren wichtigen Dienst tun: Bei den Soldatinnen und Soldaten, den Polizistinnen und Polizisten, den Entwicklungshelferinnen und Entwicklungshelfern, allen Rettungskräften, sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Nichtregierungsorganisationen.

Auch über 100 Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges und 74 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, gilt es, die Erinnerung an die von Deutschland ausgegangenen Kriege und ihre Folgen für uns und die Welt festzuhalten.
Um die Erinnerung an unserer Geschichte wach zu halten, wurde bei vielen Veranstaltungen am 9. November in Deutschland an die Reichspogromnacht erinnert. Wir haben damit auch der sechs Millionen jüdischen Mitmenschen gedacht, die während der Naziherrschaft in Deutschland ermordet wurden. Man darf auch die Wahrheit nicht als Lüge darstellen, in dem man den Holocaust verleugnet.
Die Erinnerung daran ist wichtig, denn wir können nur in Verantwortung vor unserer Geschichte eine gemeinsame Zukunft gestalten.

Neben der Erinnerung ist der Blick auf die Gegenwart gerade heute aus aktuellem Anlass unausweichlich.
Antisemitismus, Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit und Terror, werden wir nicht mit Gewalt beenden können. Deshalb müssen wir diesem Terror unsere Demokratie, unsere Rechtsstaatlichkeit und Freiheit, auch unsere Nächstenliebe und Toleranz entgegenstellen.
Das mag nicht immer ganz einfach sein. Ich bin sicher, dass unsere Freiheit und unsere Demokratie stärker sind, als jeder Terror dieser Welt.
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, Volkstrauertag heißt für mich heute, auch Fragen zu stellen: Was können wir für den Frieden tun? Was muss sich ändern, damit der Teufelskreis aus Armut und Hunger, kriegerischer Auseinandersetzungen und Terrorismus ein Ende findet.
Die Antworten hierauf fallen nicht leicht.
Wenn man ehrlich zu sich selbst ist, dann kommt man wohl auch nicht um unbequeme Antworten herum.
Denn haben wir nicht unseren Wohlstand in Europa auch auf Kosten anderer, z.B. der ,,Dritten Welt“ aufgebaut? Finden nicht auch Kriege mit Waffen statt, die wir in Deutschland herstellen und weiterhin in alle Welt kräftig exportieren?
Ich lasse die Fragen einmal so stehen.
Aus dem Gedenken des heutigen Tages ergibt sich für uns alle die Pflicht zur Verantwortung für den Erhalt des Friedens. Gerade die letzten Wochen und Monate haben uns regelmäßig daran erinnert, wie zerbrechlich der Friede ist, in Europa und in anderen Kontinenten.
Die Notwendigkeit des europäischen Zusammengehens lässt sich wohl kaum eindrucksvoller unter Beweis stellen, als durch einen Blick auf das 20 Jahrhundert. Erst das Zusammenrücken der Nationen hat einen verlässlichen Frieden ermöglicht, welcher zuvor nicht möglich schien. Die Kriegsgräber von Millionen Toten mahnen die Lebenden und sind deshalb bedeutender Teil unserer europäischen Identität. Die Geschichte mahnt uns, die Gegenwart und die Zukunft fordert uns, auch deshalb dürfen wir sie nicht radikalen Europagegnern und Nationalisten überlassen.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen eine gute vor allem aber eine friedliche Zeit.
 
Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit!
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