Samstag, 15 Dezember 2018

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Rede zum Volkstrauertag 2014

Rede zum Volkstrauertag 2014  (Gesprochen von Heinz-Otto Zantop, am 16.November.2014)

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

ich begrüße Sie zur heutigen Gedenkfeier, zum Tag des Innehaltens,
der Einkehr und des Mitgefühls und ich danke für Ihren Besuch.

Vorab möchte mich bei dem Gemischten Chor Anhausen, dem Posaunenchor der Kirchengemeinde
und beim Burschenverein Anhausen für Mitgestaltung der Gedenkfeier recht herzlich bedanken.

 Am Volkstrauertag erinnern wir uns alljährlich an die Opfer von Krieg und Gewalt in der Vergangenheit,
aber auch in der Gegenwart.Unsere Gedanken sind auch bei allen, die fern ab der Heimat für uns alle
ihren wichtigen Dienst tun:
Bei den Soldatinnen und Soldaten,
den Polizistinnen und Polizisten,
den Entwicklungshelferinnen und Entwicklungshelfern,
den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Nichtregierungsorganisationen.

Bedenken wir:
Diejenigen, die von Krieg, Vertreibung, Hunger und Tod erzählen können, werden immer weniger.
Mit dem Tod unserer Großeltern und Eltern verschwindet die letzte Generation, die Krieg und Faschismus noch erlebt haben.

Ist der Volkstrauertag also heute ein Relikt aus dem vergangenen Jahrhundert?
Ist er als Feiertag noch Zeitgemäß?
Diese Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten, aber ich denke, der Volkstrauertag ist wichtiger denn je!
Das Erinnern und Gedenken ist wichtig. Denn die Ursachen für Gewalt und Krieg sind noch lange nicht verschwunden.

Berthold Brecht hat einmal gesagt: ,, Der Mensch ist erst dann wirklich tot, wenn niemand mehr an ihn denkt".

Deshalb ist es wichtig, junge Menschen für die Bearbeitung und Bewältigung geschichtlicher Fragen zu gewinnen,
ihnen das, was Menschen Menschen in den beiden Weltkriegen angetan haben und was Menschen Menschen auch heute noch antuen können, näher zu bringen.

Das friedliche Miteinander in Europa – Jahrzehnte undenkbar – ist für uns und unsere Kinder zur Selbstverständlichkeit geworden.
Die heute Mitte Sechzigjährigen ist die erste Generation, die in einem dauerhaften und stabilen Frieden in Europa aufwachsen konnte!
Von uns, die wir hier stehen, muss niemand Hunger Leiden und wir müssen auch keine Angst davor haben, dass unsere Häuser zerbombt werden.

Gerade deshalb ist der Volkstrauertag so wichtig und wir sollten das heutige Gedenken als Chance verstehen, einmal aus dem Alltag herauszuschauen und sich zu fragen:
Wie groß sind meine Sorgen im Vergleich zum Leid, das unsere Vorfahren anderen zugefügt haben oder das ihnen zugefügt wurde?

Nie darf so etwas geschehen, sagen wir uns dann. Und wenn daraus die Kraft wächst, für ein friedliches Miteinander auch etwas zu tun – und das kann jeder einzelne von uns – dann können wir den Frieden unserem Land, in unseren Nachbarländern in Europa erhalten und vielleicht ausweiten auf andere Länder in der Welt.

Habgier, Ehrgeiz, Neid, Wut und Stolz –als Urheber für Krieg und Gewalt sehen wir täglich in unseren Nachrichten.
Wir haben auch in unserem Land einen riesigen Berg von Aufgaben zu bewältigen, um das friedliche Miteinander, den inneren Frieden für die Zukunft in unserem Land zu sichern.
Eine große Herausforderung unseres Sozialstaates ist der demografische Wandel, verbunden mit dem Geburtenrückgang in unserem Land aber auch der Zuzug von Menschen aus anderen Ländern.
Gerade ihnen müssen wir mit Würde und Respekt begegnen. Dazu sind wir durch unser christliches und ethisches Menschenbild verpflichtet.

Wir dürfen von unserer Demokratie keine Wunder erwarten oder gar verlangen.
Sie bleibt mit Schwächen und Unvollkommenheit behaftet und es wird auch immer Streit geben.
Gleichwohl haben wir Deutschen angesichts unserer katastrophenreichen jüngeren Geschichte allen Grund, mit Zähigkeit an unserer Demokratie und an unserem sozialen Rechtsstaat festzuhalten, sie immer wieder zu erneuern, ihren Feinden aber immer wieder entgegenzutreten.

Nur wenn wir darin einig sind, nur dann behält der schöne Vers von ,,Einigkeit und Recht und Freiheit" seine Berechtigung.

In diesem Sinne, wünsche ich uns allen eine Gute und friedliche Zeit.

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